Dr. Schär Institute Logo
Different kinds of flour on wooden spoons

Zöliakie therapieren heißt aufklären, nachsorgen und motivieren

Wer Zöliakie behandeln möchte, hat nur eine Option: Die Empfehlung einer streng glutenfreien Ernährung – ein Leben lang. Wird diese Zöliakie Ernährungstherapie konsequent umgesetzt, können Betroffene wieder beschwerdefrei leben. Außerdem sinkt unter der glutenfreien Diät das Risiko für Folgeerkrankungen und Spätfolgen. Damit dies gelingt, wird eine umfassende Aufklärung, Nachsorge und Motivation empfohlen. Hierbei ist eine professionelle Ernährungsberatung besonders wichtig.


Warum ist Aufklärung zur Zöliakie Therapie wichtig?

Nach der Diagnose Zöliakie (früher: einheimische Sprue) ist eine streng glutenfreie Ernährung erforderlich. Da diese Zöliakie Therapie ein Leben lang erfolgen muss, ist es sinnvoll Betroffene umfassend über deren Vorteile aufzuklären. So sind die ersten positiven Effekte der glutenfreien Diät bereits nach wenigen Wochen erkennbar – und unter konsequenter glutenfreier Ernährungstherapie können Betroffene beschwerdefrei leben.

Vorteile der glutenfreien Ernährungstherapie:

  • Zöliakie Antikörper Befunde normalisieren sich
  • Die Dünndarmschleimhaut regeneriert
  • Nährstoffe werden wieder aufgenommen und verwertet
  • Gewichtsverluste werden ausgeglichen
  • Der gesundheitliche und körperliche Zustand bessert sich
  • Wohlbefinden und Lebensqualität steigen
  • Zöliakie bei Kindern: Wachstum kann sich normalisieren
  • Folgeerscheinungen und Spätfolge-Risiken sinken

Wenn Betroffene die Zöliakie nicht behandeln, können Folgeerscheinungen auftreten – beispielsweise eine Unterversorgung hinsichtlich bestimmter Vitamine und Spurenelemente, wie Vitamin B12 und Eisen. Nichteinhaltung und Diätfehler erhöhen außerdem das Risiko für mögliche Spätfolgen.

Mögliche Spätfolgen der Zöliakie sind:

  • Osteoporose
  • Refraktäre Zöliakie
  • Lymphome, Adenokarzinome
  • Kollagene Sprue
  • Ulzerationen im Darm
  • Kollagene Sprue

Welche Nachsorge gehört zur Zöliakie Therapie?

Um die konsequente und korrekte Umsetzung der empfohlenen Therapie überprüfen und den Erfolg dieser Maßnahmen beurteilen zu können, sind regelmäßige Verlaufskontrollen nötig. Folgendes Nachsorge Management hat sich im Rahmen der Zöliakie Therapie bewährt:

Bei sehr stabilem Verlauf im Erwachsenenalter können die Kontrolluntersuchungen dann alle zwei Jahre stattfinden. Diese Kontrolluntersuchungen sollen erfassen: den klinischen Verlauf (inklusive BMI und bei Kindern Gewicht, Länge und Pubertätsstadien), die Adhärenz zur glutenfreien Diät, die Serologie (tTG-IgA) und eventuelle Komplikationen.

Bei Beschwerdefreiheit und normalisierten Laborparametern sollte keine routinemäßige Kontrollendoskopie durchgeführt werden. Eine Kontrollendoskopie mit Duodenalbiopsien soll bei anhaltender/wiederaufgetretener Symptomatik bzw. Laborabnormalitäten (inkl. Persistenz/Wiederanstieg Zöliakie-spezifischer Antikörper) trotz glutenfreier Diät erfolgen.

Eine Kontrollendoskopie kann u. a. zum Ausschluss einer Zweiterkrankung durchgeführt werden.

Erfolgreiche Zöliakie Therapie ist auch eine Frage der Motivation

Da bereits Spuren von Gluten Defekte an der Mukosa des Dünndarms verursachen können, sollten Zöliakie Patientinnen und Patienten entsprechend sensibilisiert und unterstützt werden. Hilfreich und motivierend kann hier insbesondere die Beratung durch eine geschulte Ernährungsfachkraft sein. Denn verschiedenste verarbeitete Lebensmittel können Spuren von Gluten enthalten, darunter z. B. Wurst, Gewürzzubereitungen oder Süßigkeiten.

Wie lässt sich die Adhärenz unter glutenfreier Diät messen?

Um die Adhärenz im Rahmen der glutenfreien Ernährung zu erheben, gibt es verschiedene validierte Messinstrumente. Dazu gehören der Celiac Disease Adherence Test (CDAT), das Gluten-Free Eating Assessment Tool (GF-EAT) und der Biagi-Score. Mit der Coeliac Disease Food Attitudes and Behaviors Scale (CD-FAB) steht außerdem ein Messinstrument zur Verfügung, um den Einfluss einer glutenfreien Ernährung auf Einstellungen, Verhalten und Lebensqualität der Betroffenen zu beurteilen.

Die Adhärenz lässt sich aber auch durch Erhebung der Serologie überprüfen: Alle Zöliakie-assoziierten Antikörper sind glutenabhängig. Bei strikter Einhaltung einer glutenfreien Diät, ist innerhalb weniger Monate ein Rückgang der Ausgangswerte zu erwarten. Gehen die Werte hingegen nicht zurück und/oder es wird ein Jahr nach Beginn der glutenfreien Diät eine positive Serologie erhoben, weist dies stark auf eine Glutenkontamination der Ernährung hin. Auch die IgG-TG2-Titer (bei Betroffenen mit IgA-Mangel) nehmen mit der Zeit ab, erreichen aber möglicherweise trotz streng glutenfreier Diät keine Normalisierung. Unter glutenfreier Diät erwartet werden darf allerdings ein deutlicher Rückgang oder sogar eine Normalisierung von Malabsorptionsmarkern, wie z. B. Steatorrhoe.

Sprechen Patientinnen oder Patienten nur langsam auf die glutenfreie Ernährungstherapie an oder wird eine Glutenkontamination vermutet, kann eine fachlich fundierte Ernährungsberatung hilfreich sein: Eine Überprüfung der Ernährung mit Hilfe von Fragebögen, die die berichtete Einhaltung der glutenfreien Diät und die Häufigkeit der Mahlzeiten auswerten, ist ein nützliches Instrument, um eine versehentliche Glutenaufnahmen auszuschließen und eine ausgewogene und angemessene Nährstoffzufuhr zu unterstützen.

Welche glutenfreien Produkte die Zöliakie Diät unterstützen

Erleichtert wird die Zöliakie Ernährungstherapie durch das breite Angebot an speziellen glutenfreien Produkten – von Brot und Nudeln über Mehlmischungen bis hin zu Keksen oder Knabbergebäck. In vielen Ländern garantiert das Symbol der „durchgestrichenen Ähre“ Glutenfreiheit. Da die Zöliakie Diät ein Leben lang eingehalten werden muss, spielt aber auch die Qualität glutenfreier Produkte eine wichtige Rolle.

DR.SCHÄR INSTITUTE NEWSLETTER

Gebündelte GRD-Expertise für Ihre Praxis: Mit unserem Newsletter bleiben Sie in Sachen Zöliakie & Co. immer up to date.

Newsletter abonnieren

Das könnte Sie auch interessieren

Kasuistik: Konzentration im Sinkflug – auf Spurensuche bei unklarer Malabsorption

Mehr erfahren

Gluten: Definition, Eigenschaften und Bedeutung für die Ernährung

Mehr erfahren

Qualitätspionier für die glutenfreie Ballaststoffversorgung: Meisterbäcker Classic

Mehr erfahren

Quellen

  • Al-Toma A, et al. European Society for the Study of Coeliac Disease (ESsCD) guideline for coeliac disease and other gluten-related disorders. United European Gastroenterol J. 2019 Jun;7(5):583-613.
  • Husby S et al. European Society Paediatric Gastroenterology, Hepatology and Nutrition Guidelines for Diagnosing Coeliac Disease 2020. J Pediatr Gastroenterol Nutr. 2020 Jan;70(1):141-156.
  • Felber J et al. Aktualisierte S2k-Leitlinie Zöliakie der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS), Z Gastroenterol 2022; 60: 790–856.