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Zöliakie: Prävalenz und Inzidenz

Weltweit ist die Zöliakie (früher: einheimische Sprue) eine der meistverbreiteten Autoimmunerkrankungen. Die Prävalenz variiert je nach Land und liegt laut Screeninguntersuchungen zwischen 0,7% und 2,9%, wobei der Durchschnitt bei etwa 1% liegt. Dabei sind Frauen häufiger betroffen als Männer, wobei das Verhältnis zwischen 1:3 und 1,5:1 liegt. Eine erhöhte Prävalenz zeigt sich auch bei Verwandten ersten Grades (10-15%) und anderen Risikogruppen, insbesondere bei Personen mit anderen Autoimmunerkrankungen, Down-Syndrom, Typ-1-Diabetes oder IgA-Mangel.


Wieso steigt die Zöliakie Inzidenz stetig an?

Bis vor wenigen Jahrzehnten galt Zöliakie als seltene Krankheit, die typisch für europäische Länder war, mit einer geschätzten Prävalenz von 1:4000-1:8000. Durch die Entwicklung sensitiver und einfacher diagnostischer Werkzeuge wie der serologischen Testung auf Gewebetransglutaminase (TTG) IgA-Antikörper und die Weiterentwicklung der Screeninguntersuchungen der letzten Jahre hat sich gezeigt, dass Zöliakie weitaus häufiger vorkommt als angenommen. Laut einer Metaanalyse aus dem Jahr 2020, hat die Inzidenz der Zöliakie in den letzten Jahrzenten um durchschnittlich 7,5% pro Jahr zugenommen. Die Gesamtinzidenz von Zöliakie in Europa liegt nun in den meisten europäischen Ländern über 12,7 pro 100.000.

Gibt es Altersgipfel bei der Erstmanifestation der Zöliakie?

Zöliakie kann sich in jedem Lebensabschnitt von der frühen Kindheit bis ins hohe Alter manifestieren. Dabei zeigen sich zwei Altersgipfel: Der erste tritt nach der Aufnahme von Gluten innerhalb der ersten 2 Lebensjahre auf, während der zweite im zweiten oder dritten Lebensjahrzehnt beobachtet wird.

Warum sprechen wir vom Diagnose Eisberg Zöliakie?

Nur bei 10 bis 20 % der Zöliakie-Betroffenen liegt das klassische Vollbild der Zöliakie vor. Der Großteil der Betroffenen hat untypische, nur wenige oder keine Symptome und weiß daher oft nichts von der Erkrankung. Daher wird häufig auch vom Diagnose Eisberg Zöliakie gesprochen. Trotz gestiegenem Bewusstsein und verbesserten Diagnosemöglichkeiten der letzten Jahre, bleiben laut der Deutschen Zöliakie Gesellschaft in Deutschland 80-90% der Fälle unerkannt. Dabei bedingt insbesondere die meist heterogene Symptomatik der Zöliakie eine Verzögerung der Diagnose. Laut einer internationalen Online-Umfrage der unternehmensinternen Datenbank von Dr. Schär, beträgt die Zeitspanne zwischen dem Auftreten der ersten Symptome und der Diagnose Zöliakie durchschnittlich 4,8 Jahre.

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