Dr. Schär Institute Logo

Weizenallergie – mehr als nur eine Weizen Unverträglichkeit

Die Weizenallergie ist eine immunologisch vermittelte Reaktion auf bestimmte Eiweiße in Weizen, insbesondere auf Proteine wie Gliadine (insbesondere Omega 5 Gliadin). Dabei unterscheidet man zwei Hauptformen: die IgE-vermittelte und die nicht-IgE-vermittelte Weizenallergie. Letztere treten häufig mit gastrointestinalen Symptomen auf und werden nicht selten mit einer Zöliakie oder NCWS (Nicht-Zöliakie-Weizensensitivität) verwechselt. Beide Formen basieren auf einer Überaktivierung von T-Helferzellen des Typs 2, unterscheiden sich jedoch in ihrer Ausprägung und Diagnostik.


Weitere Formen der Weizenallergie

Weizenabhängige anstrengungsinduzierte Anaphylaxie (WDEIA)

Die WDEIA (engl. wheat-dependent exercise-induced anaphylaxis) ist eine besondere Form der Weizenallergie, bei der allergische Reaktionen nur dann auftreten, wenn der Verzehr von Weizen mit bestimmten verstärkenden Kofaktoren zusammenfällt. Zu diesen zählen vor allem körperliche Anstrengung, aber auch nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR), Alkohol, Stress, Infekte, Temperaturschwankungen, der Menstruationszyklus oder eine Kombination dieser Faktoren.

Die Beschwerden reichen von Hautausschlägen wie Urtikaria oder Angioödemen bis hin zu schweren anaphylaktischen Reaktionen. Diese treten meist plötzlich auf - insbesondere dann, wenn Weizen innerhalb eines Zeitfensters von etwa vier Stunden vor oder nach dem Einfluss eines Kofaktors konsumiert wurde. In Einzelfällen kann dieses Zeitfenster auch länger sein.

Körperliche Anstrengung gilt als häufigster Auslöser, gefolgt von Medikamenten wie NSAR und dem Konsum von Alkohol. Besonders gefährlich ist, dass die Reaktionsschwelle durch das Zusammenspiel mehrerer Kofaktoren deutlich sinken kann - selbst geringe Mengen Weizen können dann eine starke allergische Reaktion auslösen.

Die WDEIA zählt zu den IgE-vermittelten Nahrungsmittelallergien und sollte nicht mit anderen Formen der Weizenunverträglichkeit verwechselt werden.

Bäckerasthma

Bäckerasthma ist eine spezielle Form der Weizenallergie, die durch das Einatmen von Mehlstaub und anderen Getreidebestandteilen ausgelöst wird. Es handelt sich dabei um eine der häufigsten Formen von Berufsasthma, insbesondere bei Menschen, die regelmäßig mit Weizenmehl, Getreidemehl oder Backhilfsmitteln arbeiten - etwa in Bäckereien, Konditoreien oder der Lebensmittelproduktion.

Die Erkrankung gehört zur respiratorischen Form der Weizenallergie und ist durch eine allergisch bedingte Entzündung der Atemwege gekennzeichnet. Typische Beschwerden sind Husten, Engegefühl in der Brust, Kurzatmigkeit, pfeifende Atmung und in schweren Fällen sogar Erstickungsanfälle. Diese Symptome treten meist während oder kurz nach der Arbeit auf und können sich im Verlauf auch außerhalb der Arbeitszeit verstärken.

So unterscheiden sich Lebensmittelallergie, Lebensmittelintoleranz und Autoimmunerkrankung

Eine Lebensmittelallergie ist eine Überreaktion des Immunsystems auf bestimmte Inhaltsstoffe in Lebensmitteln, sogenannte Allergene. Bereits kleinste Mengen können dabei heftige Reaktionen auslösen. Typisch für eine Allergie ist die Beteiligung des Immunsystems, insbesondere durch die Bildung von IgE-Antikörpern.

Davon zu unterscheiden ist die Lebensmittelunverträglichkeit. Hierbei handelt es sich um eine mengenabhängige Reaktion auf bestimmte Bestandteile wie Laktose, Fruktose oder Histamin. Anders als bei einer Allergie ist das Immunsystem nicht direkt beteiligt – die Beschwerden entstehen meist durch Enzymmangel oder eine gestörte Verarbeitung im Verdauungstrakt.

Die Symptome beider Reaktionen können sich ähneln: Bauchschmerzen, Hautausschläge, Übelkeit oder Kopfschmerzen sind keine Seltenheit. Auch Autoimmunerkrankungen wie die Zöliakie können ähnliche Beschwerden verursachen. Im Gegensatz zur Allergie richtet sich das Immunsystem hier jedoch gegen körpereigene Strukturen – etwa Zellen oder Gewebe – und nicht gegen äußere Allergene.

DR.SCHÄR INSTITUTE NEWSLETTER

Gebündelte GRD-Expertise für Ihre Praxis: Mit unserem Newsletter bleiben Sie in Sachen Zöliakie & Co. immer up to date.

Newsletter abonnieren

Das könnte Sie auch interessieren

Quellen

  • Faihs V, Kugler C, Schmalhofer V, Scherf KA, Lexhaller B, Mortz CG, Bindslev-Jensen C, Biedermann T, Brockow K. Wheat-dependent exercise-induced anaphylaxis: subtypes, diagnosis, and management. J Dtsch Dermatol Ges. 2023 Oct;21(10):1131-1135. doi: 10.1111/ddg.15162. Epub 2023 Jul 18. PMID: 37462335.
  • Felber, J., Bläker, H., Fischbach, W., Koletzko, S., Laaß, M.W., Lachmann, N., Lorenz, P., Lynen, P., Reese, I., Scherf, K., Schuppan, D. & Schumann, M. (2021). Aktualisierte S2k-Leitlinie Zöliakie der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS). Konsultationsfassung Oktober 2021
  • Körner U, Schareina A: Nahrungsmittelallergien und -unverträglichkeiten - Diagnostik, Therapie und Beratung. 2. vollständig überarbeitete Aufl. Thieme; 2021