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Weizenallergie behandeln gemäß Typ und Ausmaß

Die Weizenallergie Therapie umfasst eine allergologische Beratung und bei schwerer Symptomatik auch die Verordnung eines Notfallsets. Außerdem ist eine fachkundig begleitete Weizenallergie Ernährungstherapie erforderlich. Dabei ist Weizen je nach Typ und Ausmaß der Weizenallergie individuell mehr oder weniger strikt aus der Ernährung zu eliminieren.


Wie lässt sich eine Weizenallergie behandeln?

Patientinnen und Patienten mit der Diagnose einer Weizenallergie sollen eine fachärztliche allergologische Beratung erhalten, bei schwerer Symptomatik soll ein Notfallset mit Epinephrin zur Injektion verordnet werden. Außerdem sollen Weizenallergie Betroffene eine individuelle Ernährungstherapie durch eine geschulte Ernährungsfachkraft bekommen.

Ziele der Ernährungstherapie bei Weizenallergie:

  • Allergische Reaktionen vermeiden
  • Ggfls. über Kofaktoren aufklären
  • Ausgewogene Ernährung sichern
  • Toleranz und Lebensqualität erhalten

Was ist bei Weizenallergie vom Ernährungsplan zu streichen?

In der Umsetzung gestaltet sich ein Weizenallergie Ernährungsplan für die Betroffenen oft schwierig: Einerseits ist Weizen in vielen Ländern Grundnahrungsmittel, andererseits wird er aufgrund seiner lebensmitteltechnologischen Eigenschaften häufig in verarbeiteten Produkten eingesetzt. Damit sind bei der Weizenallergie Ernährung nicht nur Weizenkörner, Weizenmehl, Weizenstärke, Weizenkeime, Weizenkeimöl, Weizenflocken, Weizengrieß, Weizengraupen und entsprechende Backwaren tabu. Weizen findet sich auch auf der Zutatenliste von Wurstwaren, Gewürzen, Fertiggerichten, Soßen, Suppen, Nudeln, Knödeln oder Süßigkeiten. Selbst Medikamente enthalten gelegentlich Weizenbestandteile. Manche Fachleute raten außerdem Weizen-Urformen wie Dinkel, Grünkern, Einkorn, Zweikorn und Kamut zu meiden. Kreuzreaktionen - z. B. auf Produkte aus reinem Roggen, Gerste oder Hafer - sind selten, in der Regel werden solche Lebensmittel gut vertragen. Eine Ausnahme bilden Menschen, die gegen Omega-5-Gliadin sensibilisiert sind: Hier kommt es häufig zu einer Kreuzreaktion zwischen den IgE-Antikörpern gegen Omega-Gliadin und denen von Secalin in Roggen und Hordein in Gerste.

Eine Auswahl von bei Weizenallergie kritischen Lebensmitteln

  • Brötchen, Brot, Backwaren
  • Kekse, Plätzchen, Kuchen
  • Müsli, Frühstücksflocken
  • Teigwaren, wie Nudeln
  • Bulgur, Couscous
  • Backpulver, Tortenguss, Sahnesteif
  • Frisch- und Trockenhefe
  • Backerbsen, Paniermehl
  • Puddingpulver, Fertigdesserts
  • Backoblaten, Hostien
  • Süßwaren, Eiscreme, Nuss-Nougat-Creme
  • Paniertes Fleisch und panierter Fisch
  • Geriebener Parmesankäse

Worauf mit Weizenallergie beim Einkauf oder Essen außer Haus zu achten ist

Nicht nur der Alltag, sondern auch das Einkaufen und der Außer-Haus-Verzehr können für Patientinnen und Patienten mit Weizenallergie herausfordernd sein – insbesondere für Kinder. Ein Blick auf das Zutatenverzeichnis verpackter Lebensmittel hilft bei der weizenfreien Ernährung: Vorsicht ist geboten bei Begriffen wie Gluten, Bulgur (Weizen), Couscous (Weizen), Hartweizen, Mehl (Weizen), (modifizierte) Stärke (Weizen), Weizenkleie, Weizenmalz, Weizenprotein, Paniermehl (Weizen), Vitalkleber, Dinkel, glutenfreie Weizenstärke. Ausweichmöglichkeiten im Rahmen der Weizenallergie Ernährungstherapie sind andere Getreidearten und -produkte wie Roggen- oder Gerstenmehl, Haferflocken oder Cornflakes aus Mais (mit Gerstenmalz) sowie sogenannte Pseudogetreide oder weizenfreie Bindemittel.

Außer Haus sollten Menschen mit Weizenallergie gezielt weizenfreie Speisen und Getränke auswählen, z. B. ungebundenes Gemüse, Kartoffeln, Reis, Fisch und Fleisch ohne Panade sowie keine Fertigsoßen oder -suppen. Als Getränk eignen sich Mineralwasser, Fruchtsäfte – falls Bier getrunken wird, dann nur mit Gerstenmalz (Pils, Kölsch).

Warum glutenfreie Produkte nicht automatisch bei Weizenallergie geeignet sind

Glutenfreie Produkte sind nicht immer für die Ernährung bei Weizenallergie geeignet: Teilweise wird hierbei glutenfreie Weizenstärke verwendet, die zwar kein Gluten aber anderes Weizeneiweiß als Allergieauslöser für eine Weizenallergie enthalten kann.

Wie lässt sich die Weizenallergie Ernährung ausgewogen gestalten?

Beim Erstellen eines Weizenallergie Ernährungsplans geht es nicht nur darum, Weizen und verwandte Formen zu eliminieren, sondern auch darum, den Speiseplan dennoch abwechslungsreich und ausgewogen zu gestalten. Der richtige Ersatz von Weizenprodukten durch verträgliche und gesunde Alternativen ist daher ein wichtiger Bestandteil der praktischen Ernährungstherapie bei Weizenallergie.

Zu achten ist vor allem auf eine ausreichende Zufuhr an Zink und Folsäure, aber auch an Ballaststoffen. Empfohlen werden nährstoffreiche Getreide- bzw. Pseudogetreidesorten, am besten aus vollem Korn. Unbedenklich sind meistens beispielsweise Roggen, Hafer, Gerste, Amaranth, Hirse, Quinoa und Buchweizen (ohne möglichen Fremd-/Weizenbesatz). Von großer Bedeutung ist auch die Qualität der Lebensmittel.

Geeignete Ersatzmöglichkeiten bei Weizenallergie Ernährung

NahrungsmittelSorten
GetreideHafer, Gerste, Roggen, Sorghum (Hirse), Reis, Mais als Mehl oder Stärke
PseudocerealienQuinoa, Amaranth (Buchweizen*)
Stärkehaltige KnollenTapiokastärke, Kartoffelstärke
HülsenfrüchteSojamehl (vollfett), Johannisbrotkernmehl, Guarkernmehl
AndereChicorée, Kastanienmehl, Kichererbsen, Linsen

*Bei Buchweizen muss auf möglichen Fremd-/Weizenbesatz geachtet werden

Wie streng ist die Ernährungstherapie bei Weizenallergie einzuhalten?

Wie strikt die Weizenallergie Ernährung eingehalten werden muss, hängt vom Typ und Ausmaß der Weizenallergie ab. Von manchen Patientinnen und Patienten werden Produkte mit Weizenspuren vertragen oder Weizenprodukte, die im Vorfeld ausreichend erhitzt wurden. Zu differenzieren ist insbesondere zwischen Kindern und Erwachsenen, zwischen Allergien vom Sofort- und Spät-Typ oder ob eine WDEIA (wheat-dependent exercise induced anaphylaxis) vorliegt.

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