Reizdarmsyndrom

Was ist ein Reizdarm? Klinische Schlüsselmerkmale und Kriterien nach Rom IV
Das Reizdarmsyndrom (IBS) ist eine Verdauungsstörung, die durch chronische Bauchschmerzen in Verbindung mit einer Störung der Verdauung gekennzeichnet ist, ohne dass dafür eine spezifische organische, metabolische oder biochemische Veränderung erkennbar ist. Es gehört zu den sogenannten funktionellen Verdauungsstörungen und beeinträchtigt die Lebensqualität des Patienten erheblich.
Welche Kriterien gibt es für die Diagnose von IBS?
Die klinischen Symptome sind sehr heterogen, weshalb seit Jahren auf Kriterien zurückgegriffen wird, die im Konsens von Experten für die Definition entwickelt wurden.
Die ersten verwendeten Kriterien waren die von Manning und Kruis. Seit den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts hat die Rom-Gruppe (eine internationale Expertengruppe für funktionelle Störungen) Kriterien erarbeitet, die dem aktuellen Wissensstand entsprechen, darunter die Kriterien von Rom I, II, III und die derzeit geltenden Kriterien von Rom IV.
Rom-IV-Kriterien für das Reizdarmsyndrom bei Erwachsenen
A) Wiederkehrende Bauchschmerzen an mindestens einem Tag pro Woche, verbunden mit zwei oder mehr der folgenden Kriterien
- Im Zusammenhang mit dem Stuhlgang.
- In Verbindung mit einer Veränderung der Stuhlfrequenz.
- In Verbindung mit einer Veränderung der Form (des Aussehens) des Stuhls.
B) Die Symptome müssen seit mindestens 6 Monaten auftreten und in den letzten 3 Monaten vorhanden sein.
Nach der Leitlinie der der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) und der Deutschen Gesellschaft für Neurogastroenterologie und Motilität (DGNM) 1, liegt die Krankheit des RDS vor, wenn die folgenden drei Punkte erfüllt sind:
- Es bestehen chronische, d. h. länger als 3 Monate anhaltende oder rezidivierende Beschwerden (z. B. Bauchschmerzen, Blähungen), die von Patient und Arzt auf den Darm bezogen werden und in der Regel mit Stuhlgangsveränderungen einhergehen.
- Die Beschwerden sollen begründen, dass der Patient deswegen Hilfe sucht und/oder sich sorgt und so stark seien, dass die Lebensqualität hierdurch relevant beeinträchtigt wird.
- Voraussetzung ist, dass keine für andere Krankheitsbilder charakteristischen Veränderungen vorliegen, welche wahrscheinlich für diese Symptome verantwortlich sind.
Das RDS geht mit einer Beeinträchtigung der Lebensqualität der Patienten und einer erhöhten Prävalenz von Depressionen einher. Es ist eine funktionelle Störung des Darms und beruht nicht auf Einbildung der Betroffene 2, 3.
Das Reizdarmsyndrom kann in allen Altersgruppen auftreten, betrifft jedoch vor allem Menschen mittleren Alters zwischen 35 und 50 Jahren.
Weitere Kriterien für das Reizdarmsyndrom bei Kindern
Für Kinder und Jugendliche gelten die Rom-IV-Kriterien zur Untersuchung des Vorliegens eines Reizdarmsyndroms. Das heißt, bei Kindern müssen diese Kriterien für die Diagnose eines Reizdarmsyndroms erfüllt sein:
A) Bauchschmerzen an mindestens 4 Tagen pro Monat in Verbindung mit einem oder mehreren der folgenden Symptome während mindestens 2 Monaten vor der Diagnose:
- Im Zusammenhang mit dem Stuhlgang.
- Veränderungen der Stuhlfrequenz.
- Veränderungen in der Form oder im Aussehen des Stuhls.
B) Bei Kindern mit Verstopfung verschwinden die Schmerzen nicht mit dem Abklingen der Verstopfung.
C) Nach einer angemessenen medizinischen Untersuchung können die Symptome nicht auf eine andere Erkrankung zurückgeführt werden.
Zöliakie und Gluten-/Weizensensitivität nicht vergessen
Wissenschaftler vermuten, dass Patienten mit Reizdarmsyndrom potenzielle, nicht diagnostizierte Zöliakiepatienten sein könnten. Einige Studien, wie beispielsweise die GIBS-Studie („Gluten-free diet in IBS”) der Charité in Berlin oder die Glutox-Studien aus Italien, haben sich diesem Thema gewidmet. Sowohl Patienten mit Reizdarmsyndrom als auch Zöliakiepatienten leiden unter ähnlichen, wiederkehrenden, unspezifischen Magen-Darm-Beschwerden, die über einen langen Zeitraum bestehen bleiben. Aufgrund der spezifischen Diagnose lässt sich Zöliakie im Zweifelsfall relativ leicht ausschließen. Für die ebenfalls zu berücksichtigende Gluten-/Weizensensitivität, die häufig mit kognitiven Symptomen einhergeht, gibt es jedoch bislang keinen spezifischen Test. Die Diagnose einer Gluten-/Weizensensitivität ist nur dann gültig, wenn Zöliakie und Weizenallergie ausgeschlossen sind und eine positive Reaktion auf eine glutenfreie Ernährung vorliegt.
Quellen
- Layer P et al. Update S3-Leitlinie Reizdarmsyndrom… Z Gastroenterol 2021; 59: 1323-1415
- Rom-Gruppe. Diagnosekriterien für funktionelle Verdauungsstörungen: Rom IV.
- Manning AP, Thompson WG, Heaton KW, Morris AF. Towards positive diagnosis of the irritable bowel. Br Med J. 1978;2(6138):653-654.
- Kruis W, et al. Ein diagnostischer Score für das Reizdarmsyndrom. Gastroenterology. 1984;87(1):1-7.
- Charité Universitätsmedizin Berlin. Glutenfreie Ernährung bei IBS (GIBS-Studie).
- Glutox Study Group. Gluten and IBS: Italian multicenter study.
