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Ernährungsrisiken bei Kindern mit Zöliakie unter glutenfreier Diät

Kinder und Jugendliche mit Zöliakie tun sich oft schwer mit der glutenfreien Diät (GFD). Kein Wunder – denn sie bedeutet eine tiefgreifende Umstellung des Essverhaltens in äußerst sensiblen Entwicklungsphasen. Eine neue systematische Übersichtsarbeit von Papoutsaki et al. (2025) wirft ein kritisches Licht auf die ernährungsphysiologischen Konsequenzen dieser Diät und leitet daraus relevante Handlungsanweisungen für Fachkräfte in Praxis und Klinik ab.


Ziel der Studie

Die glutenfreie Diät stellt derzeit die einzige Therapieoption bei Zöliakie dar. Doch was passiert ernährungsphysiologisch, wenn Kinder langfristig glutenfrei leben? Ziel des systematischen Reviews „Short- and Long-Term Nutritional Status in Children and Adolescents with Celiac Disease Following a Gluten-Free Diet“ war es, den Nährstoffstatus von Kindern und Jugendlichen im Alter von 0 bis 18 Jahren unter GFD zu untersuchen, um herauszufinden, wie sich diese ernährungsphysiologisch auswirkt. 

Methodik

Die Autoren analysierten 15 Beobachtungsstudien mit insgesamt 2004 Kindern und Jugendlichen im Alter von 0 bis 18 Jahren unter kurzfristiger (6–12 Monate) oder langfristiger (≥12 Monate) GFD. Ziel war es, sowohl die Nährstoffaufnahme als auch den Blutstatus von Mikronährstoffen differenziert zu untersuchen. Die Studien wurden systematisch ausgewählt und hinsichtlich methodischer Qualität mit dem ROBINS-E-Tool bewertet. Es wurden nur Studien berücksichtigt, in denen die GFD-Dauer eindeutig dokumentiert war und die Angaben zur Nährstoffzufuhr oder zu Blutparametern enthielten.

Ergebnisse

Trotz glutenfreier Ernährung zeigen sich bei vielen Kindern Mangelzustände, die langfristig Wachstum, Kognition und Immunfunktion beeinträchtigen können. Die Ursache liegt nicht in der Glutenfreiheit selbst, sondern in der oft unausgewogenen Gestaltung der Diät: Viele der verzehrten glutenfreien Produkte sind fett- und zuckerreich, dafür ballaststoffarm. Währenddessen enthalten unangereicherte Produkte deutlich weniger B-Vitamine, Eisen oder Magnesium als ihre glutenhaltigen Pendants. Die GFD ist für Kinder mit Zöliakie medizinisch dennoch unverzichtbar, darum muss sie qualitativ besser umgesetzt und begleitet werden. Ernährungsfachkräfte sowie Ärztinnen und Ärzte spielen dabei als engmaschig betreuende medizinische Begleitpersonen eine zentrale Rolle. Ohne regelmäßige Kontrolle und Beratung drohen langfristige Defizite.

Handlungsempfehlungen für die Praxis

  1. Ernährungstherapie standardisieren: Regelmäßige Beratung durch spezialisierte Ernährungsberater sollte bei jeder Zöliakie-Diagnose im gesamten Therapieverlauf fest etabliert werden.
  2. Nährstoffstatus kontrollieren: Empfohlen wird ein regelmäßiges Monitoring relevanter Blutwerte, insbesondere bei Kindern im Wachstum oder bei klinischen Auffälligkeiten.
  3. Aufklärung über glutenfreie Lebensmittel und Produkte: Der Einsatz natürlich glutenfreier, vollwertiger Lebensmittel (z. B. Pseudogetreide, Hülsenfrüchte, Nüsse, Gemüse) sollte durch die Ernährungsfachkraft geschult werden.

Quellen

Papoutsaki, M. et al. (2025): Short- and Long-Term Nutritional Status in Children and Adolescents with Celiac Disease Following a Gluten-Free Diet: A Systematic Review. Nutrients, 17(3), 487. https://doi.org/10.3390/nu17030487

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