
Erfolgsprognose Low-FODMAP-Diät bei Reizdarmsyndrom: Studie findet potenzielle Biomarker
Die Low-FODMAP-Diät kann bei Reizdarmsyndrom (RDS) helfen, typische Reizdarm-Symptome wie Durchfall, Blähungen und Schmerzen zu lindern. Eine aktuelle Studie zeigt, dass bestimmte Darmflora-Profile unterschiedlich auf die Diät reagieren. Diese Mikrobiota-Signaturen könnten künftig als Biomarker dienen, um den Erfolg der Reizdarm-Behandlung vorherzusagen. Die Ergebnisse liefern neue Ansätze für die personalisierte Ernährung bei Reizdarm und den gezielten Einsatz von Probiotika für den Darm.
Ziel der Studie
Bisherige Erkenntnisse aus Studien haben bewiesen, dass u.a. die Zusammensetzung der Mikrobiota im Darm Auswirkungen auf die RDS-Symptome hat. Zudem konnte nachgewiesen werden, dass eine Low-FODMAP-Diät die Zusammensetzung der Mikrobiota verändern kann. Jedoch ist der Mechanismus, der diesen Erkenntnissen zugrunde liegt, bisher unklar.
Im Rahmen einer aktuellen Studie konnte ein Forschungs-Team um Kevin Vervier nun zwei verschiedene Mikrobiota-Subtypen beim RDS identifizieren, die unterschiedlich auf die Low-FODMAP-Diät reagieren. Ziel der Forscher war es, Biomarker in Form von mikrobiellen Signaturen zu bestimmen, die die Reaktion auf die Low-FODMAP-Diät vorhersagen können. Zudem könnte dann beurteilt werden, inwiefern Veränderungen der Mikrobiota-Zusammensetzung sowie der damit verbunden Stoffwechselaktivitäten Aufschluss über ihre Wirkungsweise und damit mögliche Behandlungsansätze liefern könnten.
Methodik
Im Rahmen der prospektiven monozentrischen Fall-Kontroll-Studie wurden in einem Zeitraum von 12 Wochen Stuhlproben von RDS-Betroffenen und Kontrollpersonen aus dem gleichen Haushalten (n= 56 Paare) genommen. Die Teilnehmenden und ihre Haushaltskontrollen wurden bei Besuch 1 gebeten, eine Stuhlprobe während ihrer üblichen Ernährung zur Verfügung zu stellen. Eine zweite nach 4 Wochen, nachdem sie eine Low-FODMAP-Diät eingehalten hatten. Eine dritte Stuhlprobe wurde nach 12 Wochen abgegeben, wobei Probanden mit RDS, deren Symptome sich verbessert (n= 41) hatten, eine FODMAP-Rechallenge-Diät befolgten, um einzelne FODMAP-Auslöser zu identifizieren, während die RDS-Probanden bei denen keine Verbesserung durch die Ernährung herbeigeführt werden konnte, zur gewohnten Ernährung zurückkehrten.
Im Anschluss wurde die Stuhlmikrobiota mittels Metagenomik taxonomisch und funktionell ermittelt. Zudem wurde die klinische Reaktion auf die Diättherapie analysiert.
Ergebnisse
Dem Forschungsteam ist es gelungen, Patientinnen und Patienten mit Reizdarmsyndrom anhand ihrer Darmmikrobiota-Spezies und der metabolischen Gensignaturen in Gruppen einzuteilen:
Die Analyse der ersten Stuhlproben der RDS-Fälle vor der Diät-Therapie ergab zwei unterschiedliche Mikrobiota-Profile, die die Forscher als „IBSP-Subtypen“ (IBS pathogen-like) und „IBSH-Subtypen“ (IBS healthy-like) bezeichneten. Bei den IBSP-Subtypen ergab die Analyse der Mikrobiome eine Anreicherung von Firmicutes-Arten sowie von Genen für den Aminosäure- und Kohlenhydratstoffwechsel. Bacteroidetes-Arten konnten nur wenige nachgewiesen werden. Die IBSH-Mikrobiome waren hingegen denen der Kontrollen sehr ähnlich.
Bei der Analyse der beiden Stuhlproben nach der Low-FODMAP-Diät-Therapie zeigten die Mikrobiota-Profile der IBSH-Subtypen sowie die der Kontrollproben keine Veränderungen, wohingegen sich die Signatur der IBSP-Fälle in Richtung eines gesundheitsassoziierten Mikrobioms mit einem erhöhten Anteil an Bacteroidetes-Arten (p = 0,009), verringerten Firmicutes-Spezies (p = 0,004) und der Normalisierung primärer Stoffwechselgene verschoben hatte. Auch die klinische Reaktion auf die Low-FODMAP-Diät war bei IBSP-Patienten größer als bei IBSH (p = 0,02).
Fazit
50 Prozent der RDS-Fälle zeigten eine „pathogene“ mikrobiologische Signatur im Darm. Diese näherte sich während der Low-FODMAP-Diät der Signatur eines „gesunden“ Profils an. Zudem zeigten die IBSP-Fälle ein besseres klinisches Ansprechen auf die Diättherapie als die IBSH-Fälle. Die Wirksamkeit der FODMAP-Reduktion kann also bei den IBSP-Subtypen auf Veränderungen der Darmmikrobiota und der produzierten Metaboliten zurückgeführt werden. Entsprechend könnten Mikrobiota-Signaturen als Biomarker hilfreich sein, um über die Art der RDS-Behandlung zu entscheiden sowie den Erfolg einer Low-FODMAP-Diät vorhersagen zu können. Die genauere Untersuchung der IBSP-Spezies und den damit verbundenen Stoffwechselaktivitäten könnte die pathogenen Mechanismen von RDS weiter aufklären und damit neue Therapieansätze liefern.
Quellen
Vervier K, Moss S, Kumar N, Adoum A, Barne M, Browne H, Kaser A, Kiely CJ, Neville BA, Powell N, Raine T, Stares MD, Zhu A, De La Revilla Negro J, Lawley TD, Parkes M. Two microbiota subtypes identified in irritable bowel syndrome with distinct responses to the low FODMAP diet. Gut. 2022 Sep;71(9):1821-1830. doi: 10.1136/gutjnl-2021-325177. Epub 2021 Nov 22. PMID: 34810234; PMCID: PMC9380505.
Das könnte Sie auch interessieren:

Die Reizdarmsyndrom Diagnostik in der Praxis
Mehr erfahren
Low FODMAP Diät als Ernährungstherapie
Mehr erfahren
Das Dr. Schär Qualitätsversprechen für die Marke Schär
Mehr erfahrenPRAXISMATERIAL & PRODUKTPROBEN
Hilfreiche Materialien für Ihre Praxis, Produktproben für Ihre GRD-Patientinnen und -Patienten sowie vieles mehr können Sie hier bestellen oder herunterladen.

