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SchilddrĂĽse und Gluten

Hypothyreose und Gluten: Ist eine glutenfreie Ernährung ratsam?

Gibt es einen Zusammenhang zwischen Gluten und der Schilddrüse? Wir werfen einen Blick auf die aktuelle Studienlage zu Hashimoto-Thyreoiditis und erläutern, warum Gluten nicht ohne vorherigen Ausschluss einer Zöliakie aus der Ernährung gestrichen werden sollte.


Hypothyreose und Gluten: Ist eine glutenfreie Ernährung sinnvoll?

Aus klinischer Sicht wirft die Ernährung bei einer Hypothyreose häufig Fragen auf. In den vergangenen Jahren hat sich insbesondere in sozialen Netzwerken die Vorstellung verbreitet, Gluten sei grundsätzlich schädlich für die Schilddrüse oder sogar eine direkte Ursache bestimmter Schilddrüsenerkrankungen. Doch was ist an diesen Aussagen tatsächlich dran?

Die wissenschaftliche Evidenz zeichnet ein differenzierteres Bild. Die entscheidende Frage ist nicht, ob Gluten der Schilddrüse grundsätzlich schadet, sondern ob bei bestimmten Patientengruppen ein Zusammenhang zwischen Gluten und Schilddrüsenerkrankungen besteht und ob eine Ernährungsumstellung im Rahmen des therapeutischen Konzepts sinnvoll sein kann

Gluten und SchilddrĂĽse: Gibt es einen Zusammenhang?

Menschen mit Zöliakie haben ein erhöhtes Risiko, weitere Autoimmunerkrankungen wie Typ-1-Diabetes zu entwickeln. Dazu zählen auch bestimmte Schilddrüsenerkrankungen, insbesondere die autoimmune Hypothyreose bei Hashimoto-Thyreoiditis.

Studien beschreiben bei Menschen mit autoimmuner Schilddrüsenerkrankung eine erhöhte Prävalenz von Zöliakie. Deshalb kann ein Zöliakie-Screening im Einzelfall sinnvoll sein, auch wenn keine klassischen gastrointestinalen Symptome vorliegen.

Was ist Hashimoto-Thyreoiditis und warum ist Ernährung relevant?

Die Hashimoto-Thyreoiditis ist eine der häufigsten Ursachen einer autoimmun bedingten Hypothyreose. Dabei greift das Immunsystem Schilddrüsengewebe an, was die Hormonproduktion beeinträchtigen und sich in Laborwerten wie TSH, freiem T3 oder freiem T4 zeigen kann.

Eine autoimmune SchilddrĂĽsenunterfunktion ist nicht heilbar, kann aber durch eine angemessene Behandlung und klinische Nachsorge kontrolliert werden.

Ernährung wird vor allem dann relevant, wenn zusätzlich eine Zöliakie oder Nicht-Zöliakie-Gluten-Sensitivität (NCGS) besteht.

Ein Arzt hält einen Stift und zeigt auf ein Schilddrüsenmodell auf einem Tisch, daneben ein Notizbuch und ein Stift

Glutenfreie Ernährung bei Hashimoto ohne Zöliakie: sinnvoll oder nicht?

Derzeit gibt es keinen Konsens, dass alle Menschen mit Hashimoto eine glutenfreie Ernährung befolgen sollten.

Was sagen die verfĂĽgbaren Erkenntnisse?

Einige Studien deuten darauf hin, dass eine glutenreduzierte oder glutenfreie Ernährung bei ausgewählten Patientinnen und Patienten mit autoimmuner Thyreoiditis positive Effekte auf Antikörperwerte, Symptome oder Medikamentenbedarf haben könnte.

Die Studienlage ist jedoch heterogen. Teilweise geht es eher um glutenreduzierte Ernährungsformen als um einen vollständigen Glutenverzicht.

Eine solche Ernährung kann im Einzelfall ergänzend sinnvoll sein, sollte aber nicht pauschal empfohlen, sondern individuell und fachlich begleitet bewertet werden.

Warum könnten Gluten, Zöliakie und Schilddrüse zusammenhängen?

Bei Zöliakie bildet der Körper unter Glutenexposition unter anderem Antikörper gegen Gewebetransglutaminase (tTG-IgA). Als mögliche Erklärung für den Zusammenhang mit Schilddrüsenerkrankungen werden immunologische Mechanismen und genetische Prädispositionen diskutiert.

Eine direkte Kreuzreaktion zwischen glutenbezogenen Antikörpern und Schilddrüsengewebe wird zwar als Hypothese beschrieben, ist jedoch nicht für alle Patientinnen und Patienten belegt.

Liegt zusätzlich eine Zöliakie vor, kann eine konsequent glutenfreie Ernährung die Heilung der Darmschleimhaut unterstützen und sich indirekt positiv auf Stoffwechsel und Medikamentensituation auswirken.

Es ist jedoch wichtig zu betonen, dass dies nicht die einzige mögliche Erklärung ist und nicht bei allen Menschen mit Hashimoto eine Rolle spielt.

Schilddrüsenmedikamente, Zöliakie und Gluten: Was Betroffene wissen sollten

Ein relevanter Aspekt betrifft die Resorption von Schilddrüsenmedikamenten: Eine unbehandelte Zöliakie mit Darmschädigung kann die Aufnahme bestimmter Medikamente beeinträchtigen. Betroffene benötigen dann möglicherweise höhere Dosen von Schilddrüsenhormonen, um stabile Laborwerte zu erreichen.

Nach Diagnose und strikt glutenfreier Ernährung kann sich die Aufnahme verbessern, sodass unter ärztlicher Kontrolle eine Anpassung der Dosis erforderlich sein kann.

Deshalb sollten** Schilddrüsenwerte und Medikation** bei Zöliakie oder Ernährungsumstellung regelmäßig kontrolliert werden.

Praktische Empfehlungen: Gluten bei Hashimoto nicht vorschnell weglassen

Glutenfreie Ernährung bei Hashimoto nicht pauschal empfehlen

Es gibt Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen Gluten, Zöliakie, Hashimoto und Schilddrüsenerkrankungen. Daraus lässt sich jedoch keine allgemeine Empfehlung für alle Menschen mit Hypothyreose ableiten. Nicht alle Menschen mit Hypothyreose profitieren von einer glutenfreien Ernährung, und nicht alle Schilddrüsenerkrankungen stehen in Zusammenhang mit Gluten. Bei autoimmuner Thyreoiditis oder Verdacht auf Zöliakie sollte die Rolle der Ernährung individuell im klinischen Kontext bewertet werden. Außerhalb dieser Kontexte ist es jedoch nicht gerechtfertigt, den Verzicht auf Gluten als allgemeine Empfehlung für die Schilddrüsengesundheit zu verallgemeinern.

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Quellen

LucĂ­a MartĂ­nez ArgĂĽelles

Dietista-Nutricionista