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Frau mit Bauchschmerzen

Selbstberichtete Nicht-Zöliakie-Gluten-Sensitivität bei Patienten mit Reizdarmsyndrom

Brindicci VF, Cristofori F, Franceschini S et al. J Clin Gastroenterol. 2026 Jan 30.


Introduction

Das Reizdarmsyndrom (IBS) und die Nicht-Zöliakie-Gluten-Sensitivität (NCGS) sind zwei Erkrankungen, die ähnliche gastrointestinale Symptome aufweisen. Mehrere Studien haben gezeigt, dass eine Untergruppe von IBS-Patienten (ohne Zöliakie) bei einer glutenfreien Ernährung eine symptomatische Besserung berichtet, was zu der Hypothese geführt hat, dass eine glutenempfindliche IBS-Untergruppe existieren könnte. Die genaue Epidemiologie und Pathophysiologie dieser Überschneidung ist nach wie vor unklar, wobei Hinweise darauf bestehen, dass andere Weizenbestandteile als Gluten (wie Amylase-Trypsin-Inhibitoren und Fruktane) dafür verantwortlich sind. Diese Querschnittsstudie hatte zum Ziel, die Prävalenz von selbstberichteter NCGS bei Personen zu untersuchen, die die Rom-IV-Kriterien für IBS erfüllen. Die Studie versuchte zudem, potenzielle Merkmale zu ermitteln, die bei der Differentialdiagnose in dieser Patientengruppe hilfreich sein könnten, und genauer angepasste, evidenzbasierte Ernährungsempfehlungen zu unterstützen.

Teilnehmer und Methoden

Die Studie wurde zwischen Januar und März 2022 in 13 italienischen Städten durchgeführt und richtete sich an eine Kohorte junger Erwachsener im Alter von 18 bis 35 Jahren. Die Forscher verwendeten eine modifizierte Version eines validierten Fragebogens, der vor großen Einkaufszentren verteilt wurde, um eine breite, bevölkerungsrepräsentative Stichprobe zu gewährleisten. Der Fragebogen war in drei Abschnitte unterteilt: demografische Daten und Anamnese, Rom-IV-Kriterien zur Identifizierung von IBS sowie glutenbedingte Symptome und Ernährungsgewohnheiten.

Ergebnisse

Aus 5108 gültigen Umfrageantworten ergab die Studie, dass 819 (16 %) der Teilnehmer die Rom-IV-Kriterien für IBS erfüllten. Innerhalb dieser IBS-Gruppe erfüllten 238 (29,1 %) auch die Kriterien für NCGS, eine deutlich höhere Prävalenz als die 8,6 %, die in der Nicht-IBS-Population festgestellt wurden. Die Forscher stellten eine deutliche Dominanz bei Frauen fest: Frauen machten 80,9 % der IBS-Gruppe und 84,9 % der IBS-NCGS-Overlap-Gruppe aus.

Zu den wichtigsten klinischen Befunden gehörten:

  • Symptomprofil: Während beide IBS-Gruppen über gastrointestinale Beschwerden wie Blähungen und Flatulenz berichteten, gab die Überlappungsgruppe signifikant häufiger** extraintestinale Symptome** wie Müdigkeit (62,2 %), Unwohlsein (45,0 %) und „Gehirnnebel“ (Foggy Mind) (25,6 %) an.
  • Psychische Gesundheit: In der IBS-NCGS-Gruppe war die Prävalenz neuropsychiatrischer Störungen, insbesondere von Angstzuständen und Depressionen (34,0 %), im Vergleich zu den Patienten mit IBS allein (22,6 %) signifikant höher.
  • Glutenfreie Ernährung (GFD): Die Einhaltung einer glutenfreien Ernährung war in der Overlap-Gruppe (60,9 %) deutlich höher als in der Gruppe mit ausschließlich IBS (40,5 %). Darüber hinaus berichteten 97,2 % der Overlap-Gruppe über eine Symptomverbesserung durch die Ernährung, verglichen mit 70,1 % der Gruppe mit ausschließlich IBS.

Diskussion

Das wichtigste Ergebnis - dass bei etwa 30 % der IBS-Patienten eine Überlappung mit NCGS vorliegt - deckt sich mit früheren Schätzungen und legt nahe, dass Gluten bei einer beträchtlichen Untergruppe von IBS-Patienten ein spezifischer Auslöser sein könnte. Die Autoren schlagen mehrere pathophysiologische Mechanismen für diese Überlappung vor, darunter eine erhöhte Darmpermeabilität, verursacht durch Gliadin-aktivierte Zonulin-Signalwege, sowie eine low-grade Entzündung, ausgelöst durch andere Weizenbestandteile wie Amylase-Trypsin-Inhibitoren (ATIs). Die Quellen deuten darauf hin, dass extraintestinale Symptome als wertvolle klinische Marker zur Identifizierung dieser Überlappung dienen. Das Fehlen zuverlässiger Biomarker führt jedoch dazu, dass viele Patienten eine glutenfreie Diät (GFD) ohne formelle Diagnose einhalten, was zu Ernährungsimbalancen oder der falschen Zuordnung von Symptomen führen kann, die tatsächlich durch FODMAPs verursacht sein könnten. Während die große Stichprobengröße der Studie eine Stärke darstellt, erkennen die Autoren die Einschränkungen selbstberichteter Daten an, da diese eher subjektive Erfahrungen widerspiegeln als ärztlich bestätigte Diagnosen.

Brindicci et al NCGS in IBS Feb 2026 infographic.png

Schlussfolgerung

Die Studie kommt zu dem Schluss, dass ein erheblicher Teil der IBS-Patienten auch die Kriterien für NCGS erfüllt und ein ausgeprägtes klinisches Profil aufweist, das durch extraintestinale und neuropsychiatrische Merkmale gekennzeichnet ist. Die Identifizierung dieser spezifischen Untergruppe ist für die Bereitstellung personalisierter Behandlungsstrategien unerlässlich. Die Autoren betonen den dringenden Bedarf an validierten Diagnosewerkzeugen und Biomarkern zur Unterscheidung von NCGS von anderen gastrointestinalen Erkrankungen, was präzisere, evidenzbasierte Ernährungsempfehlungen und bessere Behandlungsergebnisse ermöglichen würde.

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Quellen

Brindicci, V. F., Cristofori, F., Franceschini, S., Gnasso, I., Alcini, P., Tassi, E. A., Santarelli, L., Dargenio, V. N., Castellaneta, S., & NCGS Study Group. (2026). Self-reported nonceliac gluten sensitivity in patients with irritable bowel syndrome: A cross-sectional analysis. Journal of Clinical Gastroenterology. DOI: 10.1097/MCG.0000000000002306