
Glutenkontamination in glutenfreien Lebensmitteln: aktuelle Daten aus der Türkei
Ergebnisse einer aktuellen Follow-Up-Studie zeigen prozentual steigende Glutenkontamination in glutenfreien Lebensmitteln, die in der Türkei hergestellt wurden.
Entwicklung der Glutenkontamination in industriell hergestellten glutenfreien Lebensmitteln in der Türkei
Glutenfreie Lebensmittel sind ein zentraler Bestandteil der Ernährung von Menschen mit Zöliakie und anderen glutenbezogenen Erkrankungen. Eine strikt glutenfreie Ernährung gilt als Goldstandard und als einzige wirksame Behandlung, um immunologische Reaktionen, Schleimhautschäden im Dünndarm und langfristige gesundheitliche Komplikationen zu vermeiden. Entsprechend hoch ist die Bedeutung einer zuverlässigen Qualität und möglichst geringen Glutenkontamination in glutenfrei deklarierten Lebensmitteln.
In einer aktuell veröffentlichten Follow-up-Studie wurde die Entwicklung der Glutenkontamination in industriell hergestellten glutenfreien Lebensmitteln in der Türkei über einen Zeitraum von fünf Jahren analysiert. Die Studie knüpft an eine erste landesweite Erhebung aus den Jahren 2016 bis 2018 an und bewertet, ob und wie sich die Kontaminationsraten im Zuge des Wachstums des Marktes verändert haben. Untersucht wurden 253 Produkte von 67 Herstellern. Die Ergebnisse zeigen, dass sich der Markt für glutenfreie Produkte deutlich erweitert hat und gleichzeitig die Prävalenz von Glutenkontamination in glutenfreien Lebensmitteln zugenommen hat. Die Analyse liefert damit wichtige Hinweise auf potenzielle Risiken für Betroffene sowie auf strukturelle Herausforderungen bei der Herstellung glutenfreier Produkte.
Methodik der Studie
Diese Studie, ein Fünf-Jahres-Follow-Up zur Glutenkontamination in glutenfreien Lebensmitteln in der Türkei, baut auf der ersten landesweiten Erhebung aus den Jahren 2016 bis 2018 auf. Insgesamt wurden zwischen 2023 und 2025 253 Produkte von 67 Unternehmen analysiert. Die Ergebnisse wurden über neun Produktkategorien, acht Hauptzutaten-Gruppen sowie vier unternehmensbezogene Kontaminationsprofile hinweg ausgewertet.
So wurden die Proben der 253 glutenfreien Produkte untersucht
Zwischen 2023 und 2025 wurden verschiedene in der Türkei hergestellte glutenfreie Lebensmittel in landesweiten Supermarktketten und bei Online-Händlern gesammelt. Um Unterschiede zwischen Produktionschargen zu berücksichtigen, wurden von jedem Produkt mindestens zwei Einheiten mit unterschiedlichen Chargennummern erworben. Die gesamte Probenhandhabung und die Glutenanalysen wurden in einem speziell eingerichteten glutenfreien Labor durchgeführt. Dabei wurden strenge Maßnahmen ergriffen, um Kreuzkontaminationen zu vermeiden.
Jedes Produkt wurde doppelt auf seinen Glutengehalt analysiert, sodass pro Produkt mindestens vier Messungen vorlagen, um die analytische Zuverlässigkeit sicherzustellen. Die Bestimmung des Glutengehalts erfolgte mittels ELISA-Verfahren anhand der Grenzwerte von 5 mg/kg und 20 mg/kg Gluten. Während 20 mg/kg dem regulatorischen Grenzwert für die Kennzeichnung „glutenfrei“ entspricht, ermöglicht die niedrigere Schwelle von 5 mg/kg eine sensiblere Beurteilung möglicher Kontaminationen. Produkte mit einer durchschnittlichen Glutenkonzentration von über 20 mg/kg wurden als nicht glutenfrei klassifiziert und ausgeschlossen.
Ergebnisse: Zunehmende Glutenkontamination in glutenfreien Lebensmitteln
Die Ergebnisse zeigen einen Anstieg der Kontaminationsraten im Vergleich zur vorherigen Untersuchung. Von allen Produkten enthielten 167 eine Glutenkonzentration <5 mg/kg (66,0 %), 39 Produkte lagen zwischen 5 und 20 mg/kg (15,4 %) und 47 Produkte überschritten 20 mg/kg (18,6 %). Insgesamt wiesen 86 Produkte eine Glutenkonzentration ≥5 mg/kg (34,0 %) auf und 47 Produkte lagen über 20 mg/kg (18,6 %)
Besonders häufig waren Produkte mit Getreidemischungen und Buchweizen von Kontamination betroffen. Darüber hinaus erwiesen sich Mais, Kichererbsen und Hafer als weitere Zutaten mit erhöhtem Risiko. Zusammen machten Getreidemischungen und Buchweizen mehr als 20 % der kontaminierten Produkte aus, während Mais, Hafer und Kichererbsen weitere etwa 10 % beitrugen.
Parallel dazu expandierte der Markt deutlich: Die Anzahl der Produkte stieg um 27 %, während sich die Zahl der Hersteller nahezu verdreifachte. Diese Entwicklung ging mit einer zunehmenden Vielfalt an Rezepturen und Rohstoffen einher.
Fazit: Produktvielfalt steigt, Kontaminationsrisiken erhöht
Das Fünf-Jahres-Follow-Up zeigt, dass der inländische Markt für glutenfreie Lebensmittel in der Türkei gewachsen und vielfältiger geworden ist, während die Kontaminationsrisiken gleichzeitig zugenommen haben. Ein wesentlicher Einflussfaktor scheint die zunehmende Diversifizierung des Marktes zu sein, die sich durch komplexere Rezepturen und den Einsatz verschiedener Rohstoffe wie Getreidemischungen, Buchweizen, Mais, Kichererbsen und Hafer zeigt. Gleichzeitig bestätigen die Ergebnisse deutliche Unterschiede in der Produktionsqualität zwischen den einzelnen Herstellern. Insgesamt unterstreichen die Daten die Bedeutung strenger Produktions- und Kontrollstandards, um die Sicherheit glutenfreier Lebensmittel langfristig zu gewährleisten und eine verlässliche Ernährungstherapie für Menschen mit Zöliakie und anderen glutenbezogenen Erkrankungen zu ermöglichen.
