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Definition - Was ist Zöliakie?

Dr. Schär Institute Definition Zöliakie Glutenunverträglichkeiten Darmzotten
Gesunde Darmzotten
Die Zöliakie ist eine genetisch determinierte, chronisch entzündliche Enteropathie, die durch Gluten ausgelöst wird. Sie zählt zu den häufigsten Unverträglichkeiten weltweit und tritt sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen auf.
Die Zöliakie ist eine dauerhafte Unverträglichkeit gegen Gluten, einem Klebereiweiß, das in vielen Getreidesorten enthalten ist, beispielsweise in Weizen, Gerste, Dinkel, Roggen, Kamut und Triticale. Bei Kindern und Erwachsenen mit entsprechender genetischer Veranlagung führt die Aufnahme von glutenhaltigen Lebensmitteln, selbst wenn es nur Spuren von Gluten sind, zu einer Immunreaktion im Darm. Diese verursacht eine chronische Entzündung der Dünndarmschleimhaut und schließlich eine Rückbildung der Dünndarmzotten. Diese charakteristischen histopathologischen Veränderungen können ein Malabsorptionssyndrom zur Folge haben. Unter einer strikt glutenfreien Ernährung sind diese Auswirkungen jedoch vollständig reversibel und die Dünndarmschleimhaut regeneriert sich. Eine lebenslange glutenfreie Ernährung, bei der alle Spuren von Gluten vermieden werden, stellt somit aktuell die einzig mögliche Therapie dar.

Atrophie des Dünndarms

Die Dünndarmschleimhaut ist mit Zotten und feinen Ausstülpungen, den Mikrovilli, ausgekleidet. Diese dienen der Oberflächenvergrößerung und verbessern die Nährstoffaufnahme. Bei Zöliakiebetroffenen haben sich die Dünndarmzotten und die Mikrovilli fast vollständig zurückgebildet. Durch die Schädigung und Abflachung der Dünndarmschleimhaut können weniger bis keine Nährstoffe aufgenommen werden. Die Folgen sind beispielsweise Unterernährung und Mangelerscheinungen.

Aufspüren von Betroffenen

Um die Dunkelziffer von Zöliakie zu senken und auch Patienten ohne auffällige Symptome zu diagnostizieren, empfiehlt es sich, bestimmte Personengruppen auf Zöliakie zu testen. Dieses sogenannte Case Finding (im Gegensatz zu Massenscreenings) bedeutet, dass Patienten mit Symptomen, die mit Zöliakie in Verbindung gebracht werden können oder bei denen Fälle von Zöliakie in der Familie (Eltern, Kinder, Geschwister) vorliegen, auf Zöliakie getestet werden.

Erkrankungen, bei denen eine Zöliakie ausgeschlossen bzw. der Ausschluss bedacht werden sollte:

  • AUTOIMMUNERKRANKUNGEN
    • Diabetes mellitus Typ 1
    • Hashimoto-Thyreoiditis
    • Autoimmunhepatitis, PBC
  • HAUTERKRANKUNGEN
    • Dermatitis herpetiformis Duhring
    • Psoriasis
  • GENETISCHE SYNDROME
    • Down-Syndrom/Trisomie 21
    • Turner-Syndrom/Monosomie x
  • WEITERE ERKRANKUNGEN
    • Transaminasenerhöhungen
    • Osteopathie (Osteomalazie, Osteoporose)
    • Mikroskopische Kolitis
    • Reizdarmsyndrom
Quellen
  • Kratzer et al., Prevalence of celiac disease in Germany: a prospective follow-up study. World J Gastroenterol. 2013 May 7; 19(17): 2612–2620.
  • Mustalahti et al., The prevalence of celiac disease in Europe: Results of a centralized, international mass screening project. Annals of Medicine 2010 Dec;42(8):587-95.
  • Coeliac Forum 01/2010

Weiterführende Informationen

Download 2

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Fachartikel 1

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Präsentationen 2

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Studien 1

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3-Stufen-Beratung III: Hinweise für den Berater

Ergänzend zu den Unterlagen, die durch das Beratungsgespräch führen, können sie hier kleine Notizzettel im DIN-A6-Format, mit weiterführenden Informationen und didaktischen Hinweisen herunterladen.

3-Stufen-Beratung I: Schulungsunterlagen Zöliakie

Hier können Sie alle Schulungsunterlagen zum Thema Zöliakie und glutenfreie Ernährung herunterladen. Laden Sie zusätzlich den "Hinweis für Berater" mit weiterführenden Informationen und didaktischen Hinweisen herunter.

Modul 1 - Grundlagen der Zöliakie Teil 1

In diesem Modul werden Ihnen erste Grundlagen zur Zöliakie vermittelt. Die Begrifflichkeiten „Zöliakie“ und „Gluten“ werden definiert.
Im Weiteren geht es um die Ätiologie und Pathogenese der Zöliakie. Es werden exogene, genetische und immunologische Faktoren, die bei der Entstehung einer Zöliakie eine Rolle spielen, präsentiert. Es folgt die Darlegung der einzelnen Erscheinungsformen der Zöliakie, die vielfältige Symptomatik sowie ein Überblick über die Prävalenz in Europa und ihrer Entwicklung.

Zusammengestellt wurde das Modul von Dr. med. Michael Schumann von der Berliner Charité.

Modul 2 - Grundlagen der Zöliakie Teil 2

Aufgrund der häufig vielfältigen Beschwerden und verschiedenen Formen der Zöliakie ist diese oft schwierig zu diagnostizieren. Zunächst werden die einzelnen Schritte einer Zöliakiediagnose erläutert, bestehend aus Anamnese, Serologie und Histologie. Weiterhin werden assoziierte Erkrankungen aufgezählt und deren Verbindung mit Zöliakie erklärt. Im letzten Teil des Moduls wird auf Komplikationen hingewiesen, die in Zusammenhang mit Zöliakie auftreten und wie mit diesen umgegangen werden kann.

Die Lerninhalte wurden gemeinsam mit Prof. Dr. med. Wolfgang Holtmeier zusammengestellt.

Zöliakie: das klinische Chamäleon

Das Chamäleon ist bekanntlich ein „sympathisches“ afrikanisches Reptil, das im Stande ist, sein Aussehen zu verändern, da es die einzigartige Fähigkeit hat, seine Hautfarbe zu wechseln. In der Medizin wird das Adjektiv „chamäleonartig“ verwendet, um jene Pathologien zu beschreiben, die in unterschiedlichsten Formen auftreten können, so wie beispielsweise im Fall der Zöliakie.

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Autor:
Catassi, C;
Jahr:
2014

Coeliac Disease and Gluten Related Disorders in Russia and Former Soviet Republics (2015)

Elena Roslavtseva, MD, Ph.D.
Scientific Center for Children’s Health, Moscow

16th International Coeliac Disease Symposium 2015 in Prag
Pre-Conference Workshop on Gluten Sensitivity "The Evolving Planet of Gluten Related Disorders"

Glutenunverträglichkeiten von Zöliakie bis Glutensensitivität (2015)

Dr. med. Michael Schumann
Charité - Universitätsmedizin Berlin

57. Bundeskongress des Verbandes der Diätassistenten – Deutscher Bundesverband e. V.
 

Zöliakie: Zehn Dinge, die jeder Experte über Zöliakie wissen sollte

Zöliakie gewinnt sowohl in der Allgemeinbevölkerung als auch in der medizinischen Fachgemeinschaft zunehmend an Bekanntheit und Aktualität. Die Diagnosemöglichkeiten von Zöliakie haben sich im Laufe der Zeit verändert, jedoch herrscht große Unsicherheit bezüglich der Anwendung und Auswertung von Diagnosetests, deren Ergebnisse häufig durch die Einhaltung der glutenfreien Diät beeinträchtigt werden.

Die Experten Amy S. Oxentenko und Joseph A. Murray erläutern 10 wichtige Punkte, die man über Zöliakie wissen sollte. Diese basieren auf aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen und den Erfahrungen aus der Tätigkeit im Bereich der Zöliakiediagnostik an der Mayo Clinic.

Es gibt 10 Dinge, die jeder Fachexperte im Bereich Ernährung und Gastroenterologie über Zöliakie wissen sollte.

1. Die Bestimmung der Immunglobulin-A-Antikörper in der Gewebstransglutaminase (Tg-IgA) gilt als bester serologischer Test für die Erkennung von Zöliakie.

2. Zöliakie kann endoskopisch erkannt werden. Allerdings schließt ein normaler endoskopischer Befund eine Diagnose nicht aus.

3. Es wird empfohlen 4 Biopsien zu entnehmen (3x Pars descendens duodeni & 1x Bulbus duodeni), um eine möglichst genaue histologische Bestätigung der Zöliakie zu gewährleisten.

4. Es sollte in Betracht gezogen werden serologische Tests an Verwandten ersten Grades, Patienten mit Diabetes Mellitus Typ 1, Down Syndrom, Turner Syndrom und Williams-Beuren-Syndrom durchzuführen, ebenso wie an Patienten mit vorzeitiger Osteoporose, Eisenmangel, abweichenden Leberwerten und anderen Anzeichen für Zöliakie.

5. Patienten, die bereits langfristig eine glutenfreie Diät befolgen, sollten auf HLA DQ2 oder DQ8 getestet werden, um von der Notwendigkeit weiterer Untersuchungen bezüglich Zöliakie bei nicht allelischen Trägern abzusehen.

6. Die grundlegende Behandlung einer Zöliakie besteht in einer strikten lebenslangen glutenfreien Ernährung, die von einem erfahrenen Ernährungsberater begleitet wird. Alle Zöliakiepatienten sollten an einen Ernährungsberater überwiesen werden, der sich im Bereich der glutenfreien Ernährung gut auskennt. Richtlinien für Ernährungsberater sind verfügbar, um diese bei der Betreuung von Patienten mit Zöliakie zu unterstützen. Überlässt man den Patienten die Recherche über die glutenfreie Diät, kommt es nicht selten zu Fehlinformationen, wobei die Ernährung unnötigerweise eingeschränkt wird. Weitere praktische Hinweise, die ein Ernährungsberater geben sollte, beziehen sich u. A. auf die Vermeidung von Kreuzkontamination im Haushalt (z. B. separate Toaster oder Frischhaltedosen), Reise- und Restauranttipps sowie Tipps zu seriösen Informationsseiten im Internet. Außerdem ist es notwendig den allgemeinen Gesundheitszustand bei glutenfreier Ernährung zu überwachen, denn Fettleibigkeit, Diabetes und andere Begleiterkrankungen werden immer häufiger.

7. Neudiagnostizierte Erwachsene mit Zöliakie sollten auf Nährstoffmangel (Eisen, B12, Folat, Zink, Kupfer), Mangel an fettlöslichen Vitaminen (Vitamin D) und Knochendichte untersucht werden.

8. Alle Zöliakiepatienten sollten sich regelmäßig klinischen Nachfolgeuntersuchungen unterziehen, um die Wirkung und Einhaltung der glutenfreien Diät sicherzustellen.

9. Bei jenen, die anhaltende Symptome oder Rückfallsymptome aufweisen, sollte die ursprüngliche Diagnose noch einmal überprüft werden, nach möglichen verborgenen Glutenquellen gesucht und eine systematische Ermittlung alternativer oder mit Zöliakie verbundener Erkrankungen durchgeführt werden.

10. Patienten mit refraktärer Zöliakie sollten auf bösartige Entwicklungen untersucht werden.

Resource: Clin Gastroenterol Hepatol. 2014 Jul 19. pii: S1542-3565(14)01053-2
 
Autor:
Oxentenko, A; Murray, J;
Jahr:
2014 Juli
Sprachen:
Deutsch; English; Français; Español; Italiano;
www.drschaer-institute.com