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Wann wird die Low-FODMAP-Diät eingesetzt?

Ein möglicher Einsatz der Low-FODMAP-Diät bietet sich bei einer Gluten-/Weizensensitivität und beim Reizdarmsyndrom. Es wird diskutiert, ob nicht das Gluten, sondern FODMAPs, etwa in Weizen, Roggen und Gerste, bei manchen Patienten Auslöser gastrointestinaler Beschwerden sein könnten.
Die Low-FODMAP-Diät stammt ursprünglich aus Australien und wird inzwischen auch in Europa als diätetische Behandlung, beispielsweise des Reizdarmsyndroms (RDS oder IBS für Irritable Bowel Syndrome) eingesetzt.
 

Studien bestätigen Effekt der Low-FODMAP-Diät

2008 wurden erste Forschungsergebnisse veröffentlicht, die belegen, dass fermentierbare Kohlenhydrate (FODMAPs) bei IBS-Patienten tatsächlich Symptome auslösen. Seitdem wurden drei randomisierte, kontrollierte Studien durchgeführt, deren Ergebnisse einen klaren Nutzen der FODMAP-reduzierten Ernährung aufzeigen.
Aufgrund dieser Daten fand die Low-FODMAP-Diät beispielsweise bereits 2010 Eingang in die IBS-Leitlinien der British Dietetic Association und 2011 wurde die Diät in die nationalen australischen Therapieleitlinien aufgenommen. Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass bis zu 70 Prozent der Patienten, die sich an diese Diät halten, deutliche Verbesserungen bei Blähungen, Flatulenz, Abdominalschmerzen, plötzlichem Stuhldrang und verändertem Stuhl verzeichnen.
 

Möglicher Effekt bei Gluten-/Weizensensitivität

Auch für Patienten mit einer Gluten-/Weizensensitivität scheint der Low-FODMAP-Ansatz relevant zu sein. Derzeit wird noch erforscht, inwiefern die fermentierbaren Kohlenhydrate im Getreide einen Auslöser der Weizensensitivität darstellen.
 

Weitere Einsatzgebiete der Low-FODMAP-Diät

Weitere Forschungen haben gezeigt, dass die Low-FODMAP-Diät nicht nur bei IBS wirkungsvoll ist, sondern auch zur Linderung von funktionalen Darmbeschwerden in anderen Situationen, wie beispielsweise bei entzündlichen Darmerkrankungen, beitragen könnte. Darüber hinaus wurde von einem möglichen Nutzen bei Diarrhoe durch enterale Ernährung und bei der Reduzierung der Stuhlhäufigkeit bei Patienten mit High-Output-Stoma oder mit Ileumpouch berichtet, allerdings sind hier weitere Daten erforderlich.

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Diagnose der Nicht-Zöliakie-Nicht-Weizenallergie-Weizensensitivität (NCGS) bei Patienten mit funktionellen gastrointestinalen Symptomen: Ergebnisse einer multizentrischen, randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten Studie mit Glutenprovokation.

Die Nicht-Zöliakie-Nicht-Weizenallergie-Weizensensitivität (kurz: Weizensensitivität oder NCGS) ist eine funktionelle gastrointestinale Krankheit, die durch gastrointestinale und extraintestinale Symptome gekennzeichnet ist, die nach dem Genuss glutenhaltiger Nahrungsmittel auftreten. Anhand der derzeit verfügbaren Bluttests und histologischen Untersuchungen kann eine NCGS nicht zweifelsfrei festgestellt werden. Primäre Grundlage des NCGS-Diagnoseverfahrens ist daher das Ansprechen auf eine glutenfreie Ernährung, wenn weder eine Zöliakie noch eine Weizenallergie vorliegt. Die Analyse der Reaktion potenzieller NCGS-Patienten auf Glutenkarenz kann neben der Wirkung anderer aktiver Substanzen in Weizen, z. B. Amylase-Trypsin-Inhibitoren (ATIs) und FODMAPs (Fermentable Oligosaccharides, Disaccharides, Monosaccharides and Polyols), jedoch auch durch den Placebo-Effekt verzerrt werden. Eine korrekte Diagnose ist unerlässlich, um unnötige diätetische Einschränkungen zu vermeiden, wirksame Behandlungsoptionen bereitzustellen und den Bedarf an symptomlindernden Arzneimitteln bei funktionellen gastrointestinalen Beschwerden einschließlich Reizdarmsyndrom zu reduzieren.

Ziel dieser klinischen Studie war, innerhalb einer Patientenkohorte, die unter Glutenkarenz eine Verbesserung ihrer gastrointestinalen Symptome verzeichnete, Patienten mit NCGS zuverlässig durch eine doppelblinde, placebokontrollierte Glutenprovokation (DBPCGP) mit Cross-over zu identifizieren. Die klinische Studie wurde in 15 ambulanten gastroenterologischen Prüfzentren in Italien durchgeführt. 140 erwachsene Patienten, die regelmäßig gastroenterologische Ambulanzen aufsuchen und die Rom-III-Kriterien für funktionelle Magen-Darm-Störungen erfüllen, wurden in diese klinische Studie eingeschlossen. Alle Patienten ernährten sich glutenhaltig, testeten negativ auf Antikörper der Immunglobulinklasse IgA gegen Tissue-Transglutaminase (IgA-tTGA) und IgE-vermittelte Weizenallergie und hatten einen normalen Gesamt-IgA. Bei Patienten mit starkem klinischen Verdacht auf Zöliakie wurde zudem eine Duodenalbiopsie entnommen, um Patienten mit serologisch negativer Zöliakie auszuschließen.

Phase 1 der klinischen Studie untersuchte die Reaktion der Patienten auf Glutenkarenz. Zunächst erfolgte eine Beurteilung der Krankheitssymptome und der gesundheitsbezogenen Lebensqualität anhand von Visuellen Analogskalen (VAS) (Skala von 1 bis 10) und dem Gesundheitsfragebogen Short Form 36 (SF36). Im Anschluss an diese erste Bewertung wurde für die Dauer von 3 Wochen eine glutenfreie Ernährung eingeführt. Dabei wurden die Patienten durch einen Ernährungsexperten umfassend beraten und unterstützt. Am Ende von Phase 1 füllten die Patienten die VA-Skalen und den SF36-Fragebogen erneut aus. Patienten, die eine signifikante gesundheitliche Verbesserung (VAS ≥ 3, n = 101) angaben, galten als ‚Gluten-Responder‘ und wurden in die zweite Phase der klinischen Studie eingeschlossen.

Diese Responder wurden aufgefordert, sich in Phase 2 (placebokontrollierte, doppelblinde Glutenprovokation mit Cross-over) weiter strikt glutenfrei zu ernähren. In diese Phase der klinischen Studie wurden 98 Patienten eingeschlossen (3 Patienten lehnten eine weitere Teilnahme aus Angst vor einem symptomatischen Relaps unter Glutenprovokation ab). Die Patienten wurden randomisiert in zwei Gruppen eingeteilt und erhielten 7 Tage lang 5,6 g/Tag Gluten (Kapseln mit aufbereitetem Gluten, entspricht 80 g getrockneten Nudeln) oder Placebo (Kapseln mit Reisstärke). Vor dem Cross-over erfolgte eine 7-tägige Auswaschphase, sodass Phase 2 der klinischen Studie insgesamt 21 Tage dauerte (während dieser Zeit ernährten sich die Patienten weiter glutenfrei). Im Anschluss an jede Phase (Glutenprovokation/Placebo, Auswaschphase und Cross-over), d. h. nach jeweils 7 Tagen, füllten die Patienten erneut die VA-Skalen und den SF36-Fragebogen aus. Insgesamt berichteten die Patienten unter Glutenprovokation über stärkere gesundheitliche Verschlechterungen als unter Placebo (p = 0,05). 28 der randomisierten Patienten reagierten ‚positiv‘ auf die DBPCGP (d. h. sie erlitten einen symptomatischen Relaps unter Glutenaufnahme) und 69 Patienten erwiesen sich als DBPCGP-‚negativ‘ (d. h. kein symptomatischer Relaps unter Glutenaufnahme). Ein Zusammenhang zwischen demografischen, klinischen oder biochemischen Faktoren und der Reaktion auf die Glutenprovokation wurde nicht festgestellt. Unter den als ‚positiv‘ identifizierten Patienten schien die Reihenfolge, in der die Gluten- und Placebokapseln eingenommen worden waren, keinen signifikanten Effekt zu haben. Bemerkenswerterweise wurden 14 von 28 ‚positiven‘ Patienten auch als Placebo-Responder identifiziert. Dies deutete erwartungsgemäß auf einen signifikanten Placebo-Effekt hin.

Insgesamt erlitten 14 % der 98 randomisierten ‚Gluten-Responder‘ einen symptomatischen Relaps während der verblindeten, placebokontrollierten Glutenprovokation (ohne gleichzeitiges Ansprechen auf Placebo) und konnten entsprechend als Patienten mit NCGS identifiziert werden. Dieses Ergebnis bestätigt, dass die Aufnahme von Gluten in einer Subgruppe von Patienten mit funktionellen Darmstörungen gastrointestinale Symptome hervorrufen kann. Dies ist die erste klinische Studie, die die Effektivität des zweistufigen Diagnoseprotokolls „Diagnosis of NCGS: The Salerno Experts‘ Criteria“1 in der klinischen Praxis untersuchte und beurteilte. Die hohe Anzahl von Patienten, die auf Glutenkarenz reagierten (75 %), jedoch nicht auf die Glutenprovokation nach Glutenkarenz, ist bemerkenswert. Diese Diskrepanz ist wahrscheinlich zum Teil einem möglichen Placebo-Effekt geschuldet. Viele Patienten könnten jedoch auch auf andere unspezifische Substanzen in Weizen reagieren, z. B. ATIs oder FODMAPs.


1 Catassi C, Elli L, Bonaz B et al. Diagnosis of Non-coeliac Gluten Sensitivity (NCGS): The Salerno Experts Criteria. Nutrients 2015; 7: 4966-4977.


Elli L, Tomba C, Branchi R et al

Resource: Nutrients 2016; 8: 84; doi:10.3390/nu8020084
Autor:
Elli, L; et al.;
Jahr:
2016 Februar
Sprachen:
English;

Diets that differ in their FODMAP content alter the colonic luminal microenvironment.

Abstract

OBJECTIVE:
A low FODMAP (Fermentable Oligosaccharides, Disaccharides, Monosaccharides And Polyols) diet reduces symptoms of IBS, but reduction of potential prebiotic and fermentative effects might adversely affect the colonic microenvironment. The effects of a low FODMAP diet with a typical Australian diet on biomarkers of colonic health were compared in a single-blinded, randomised, cross-over trial.

DESIGN:
Twenty-seven IBS and six healthy subjects were randomly allocated one of two 21-day provided diets, differing only in FODMAP content (mean (95% CI) low 3.05 (1.86 to 4.25) g/day vs Australian 23.7 (16.9 to 30.6) g/day), and then crossed over to the other diet with ≥21-day washout period. Faeces passed over a 5-day run-in on their habitual diet and from day 17 to day 21 of the interventional diets were pooled, and pH, short-chain fatty acid concentrations and bacterial abundance and diversity were assessed.

RESULTS:
Faecal indices were similar in IBS and healthy subjects during habitual diets. The low FODMAP diet was associated with higher faecal pH (7.37 (7.23 to 7.51) vs 7.16 (7.02 to 7.30); p=0.001), similar short-chain fatty acid concentrations, greater microbial diversity and reduced total bacterial abundance (9.63 (9.53 to 9.73) vs 9.83 (9.72 to 9.93) log10 copies/g; p<0.001) compared with the Australian diet. To indicate direction of change, in comparison with the habitual diet the low FODMAP diet reduced total bacterial abundance and the typical Australian diet increased relative abundance for butyrate-producing Clostridium cluster XIVa (median ratio 6.62; p<0.001) and mucus-associated Akkermansia muciniphila (19.3; p<0.001), and reduced Ruminococcus torques.

CONCLUSIONS:
Diets differing in FODMAP content have marked effects on gut microbiota composition. The implications of long-term reduction of intake of FODMAPs require elucidation.

Resource: Gut. 2014 Jul 12. pii: gutjnl-2014-307264. doi: 10.1136/gutjnl-2014-307264. [Epub ahead of print]

Halmos EP, Christophersen CT, Bird AR, Shepherd SJ, Gibson PR, Muir JG.
Jahr:
2014 Juli
Sprachen:
English;

A Diet Low in FODMAPs Reduces Symptoms of Irritable Bowel Syndrome

Abstract

Background & Aims: A diet low in fermentable oligosaccharides, disaccharides, monosaccharides, and polyols (FODMAPs) often is used to manage functional gastrointestinal symptoms in patients with irritable bowel syndrome (IBS), yet there is limited evidence of its efficacy, compared with a normal Western diet. We investigated the effects of a diet low in FODMAPs compared with an Australian diet, in a randomized, controlled, single-blind, cross-over trial of patients with IBS.

Methods: In a study of 30 patients with IBS and 8 healthy individuals (controls, matched for demographics and diet), we collected dietary data from subjects for 1 habitual week. Participants then randomly were assigned to groups that received 21 days of either a diet low in FODMAPs or a typical Australian diet, followed by a washout period of at least 21 days, before crossing over to the alternate diet. Daily symptoms were rated using a 0- to 100-mm visual analogue scale. Almost all food was provided during the interventional diet periods, with a goal of less than 0.5 g intake of FODMAPs per meal for the low-FODMAP diet. All stools were collected from days 17–21 and assessed for frequency, weight, water content, and King's Stool Chart rating.

Results: Subjects with IBS had lower overall gastrointestinal symptom scores (22.8; 95% confidence interval, 16.7–28.8 mm) while on a diet low in FODMAPs, compared with the Australian diet (44.9; 95% confidence interval, 36.6–53.1 mm; P < .001) and the subjects' habitual diet. Bloating, pain, and passage of wind also were reduced while IBS patients were on the low-FODMAP diet. Symptoms were minimal and unaltered by either diet among controls. Patients of all IBS subtypes had greater satisfaction with stool consistency while on the low-FODMAP diet, but diarrhea-predominant IBS was the only subtype with altered fecal frequency and King's Stool Chart scores.

Conclusions: In a controlled, cross-over study of patients with IBS, a diet low in FODMAPs effectively reduced functional gastrointestinal symptoms. This high-quality evidence supports its use as a first-line therapy.

Resource: Gastroenterology Volume 146, Issue 1 , Pages 67-75.e5, January 2014

Emma P. Halmos, Victoria A. Power, Susan J. Shepherd, Peter R. Gibson, Jane G. Muir
Jahr:
2014 Jänner
Sprachen:
English;
www.drschaer-institute.com